Ideen

«Wir machen nächstes Jahr einen grossen Flieger-Event auf dem Flugplatz Thun», sagte der OK-Chef zu mir. «Und du bist Pressechef!» Aha. Offerte? «Da finden wir uns.» Aber ich bin eine aviatische Vollnull «Ist vielleicht sogar besser; wir wollen ja nicht nur Insider ansprechen.»

 

Am Anfang steht die Idee. Immer. Vielleicht sogar so diffus, dass sie zunächst noch mehr Vision ist, als konkrete Idee. Aber dann werden Köpfe sichtbar. Einer, der die Webseite bauen wird. Der Grafiker. Der Präsident des neu gegründeten Vereins. Ein Kassenwart. Plötzlich sind Sponsoren an Bord. Cateringpartner. Transport-Dienstleister. Firmen – und hinter diesen Firmen Menschen – die an die Idee glauben. Air Thun wird vom Projekt-Namen zum Vereins-Namen; zu www.air-thun.ch als Adresse; Facebook-Seite und Instagram-Account folgen. Plötzlich verfolgen Fliegerfans aus dem In- und Ausland, was auf diesen Kanälen gepostet wird. Medienmitteilungen werden rezipiert, Presse-Rohstoffe als ganzsseitige Hintergrundberichte in den lokalen Medien publiziert. Irgendwann fährt sogar ein Bus mit den Inisignien des Anlasses durch die Gegend.

 

Und trotzdem zittern am Tag X die Knie – und dabei spielt es keine Rolle, ob das Wetter mitspielt oder wie im konkreten Beispiel eben nicht. Denn: Was, wenn nun doch niemand kommt? Was, wenn das schwärmen, das werben, das berichten von der ganzen Faszination, die diesen neue Event ausmachen wird, von den Leuten nicht aufgenommen wird?

 

Allzu oft spielt sich das Leben eines Kommunikationsverantwortlichen in einem Elfenbeintrum ab und allzu lange weiss er nicht, wie sein Schaffen am Ende tatsächlich wirkt. Freilich gibt es Thermometer – Zugriffszahlen auf Webseiten, Teilnahme-Zusagen an der Veranstaltung auf Facebook, Herzen auf Instagram. Aber ob die Menschen ihren Hintern tatsächlich erheben und den Weg an einen Anlass finden, wissen die Kommunikatiönler genauso wie das restliche OK und all die Helfer, die sich von der anfänglichen Idee anstecken lassen haben, erst wenn die ersten Besucher aufs Festgelände strömen.

 

Und dann steht man – nachdem die erste Hektik vorüber ist und man ein erstes Mal selber Zeit gefunden hat, übers Gelände zu schlendern – einfach nur da und staunt. Zumindest mir geht das jeweils so. Ich staune, dass all das, was wir aus Visionen, Ideen und Konzepten kreiert haben, nicht im luftleeren Raum verhallt, sondern wahrgenommen wird. Dass «Bückertreffen auf dem Flugplatz» plötzlich nicht mehr erklärt werden muss, sondern verstanden wird. Von wildfremden Menschen. Menschen, die auch wegen den Medienberichten über den Anlass den Weg aufs Gelände gefunden haben. Egal wie ausgefeilt die erwähnten Konzepte sind, egal wie verrückt die Ideen: Es ist und bleibt für mich jedes Mal von neuem faszinierend, diesen Weg von der Idee hin zu den strahlenden Augen und den zufriedenen Gesichtern bei Besuchern und OK zu erleben. 

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